Schräger Vogel

Kinderstück von Vern Thiessen nach Albert Wendt

Im winterlichen Wald rettet der Holzfäller neugeborenen Vögeln das Leben und gewährt ihnen Zufl ucht unter seinem Hut. So hat der Holzfäller nicht nur einen Vogel, sondern gleich eine ganze Vogelschar unter seiner Mütze. Doch das beschert ihm ziemlichen Ärger. Die Vögel haben es zwar nun schön warm, aber der Holzfäller kann seinen Hut nicht mehr ziehen, vor nichts und niemandem. Doch den Hut zu ziehen ist Gesetz in diesem Land! Da gibt es kein Pardon und keine Ausnahmen. Der Holzfäller verliert seine Arbeit und für die Leute ist er nur noch ein schräger Vogel, ein Außenseiter in einer Gesellschaft mit mehr Gesetzen als Verstand? So lebt er fortan mit seinen Vögeln im Wald, bis ihn eine schöne Königin entdeckt und sich in ihn verliebt. Hat die Königin etwa auch einen Vogel unter der Krone und wird der Außenseiter am Ende gar königlich belohnt?

Die Erzählung von Albert Wendt gehört zu den Klassikern der Kinderliteratur. „Schräger Vogel“ ist eine märchenhafte und fröhliche Geschichte über den Mut, anders zu sein und den Mächtigen mit freundlicher Eigensinnigkeit und Witz entgegenzutreten.

Im Spielplan seit 08.02.2013

Ausstattung: Ekkehardt Emig

Dabei setzten die Theaterleute ganz allein auf die Fantasie der jungen Zuschauer. Alles durften sie sich selbst in ihren eigenen Gedanken „ausmalen“ – auf der Szene keine Bäume, keine Holzfällerhütte, kein prächtiges Schloss, keine Jungvögel. Stattdessen waren „nur“ drei Darsteller zu erleben, die mit ihrem höchst mobilen Gesichtsausdruck, mit flink beredtem Körper, bisweilen sogar mit Musikinstrumenten die ganze Welt vorstellten. Das freilich gelang großartig!
Regisseur Ekkehardt Emig hatte die Schauspieler zu tänzerischer Leichtigkeit – im buchstäblichen wie im übertragenen Sinne – geführt. Fortwährend übersetzten sie in klare Bewegung, was sie in Worten austrugen und was für sehr junge Zuschauer vielleicht unverstanden geblieben wäre. Ralph Sählbrandt war ein sympathischer Holzfäller, kein Bilderbuchheld, sondern ein schlichter Bursche, der sich nicht verbiegen lässt. Ihm zur Seite ebenso agil und wandelbar Franka Anne Kahl und Farina-Liza Tollewski, beide in mehreren Rollen. Die eine spielte den frankophilen Untersekretär mit komischem Hang zum klassischen Ballett, die andere die liebreizende Königin, deren Tränenstrom der „schräge Vogel“ trocknen wird. Zu erleben war eine Stunde „armes Theater“, ohne elektronische Effekte, Kostümshow und technischen Firlefanz, ganz auf die Gestaltungskraft der Darsteller ausgerichtet. War es nicht zugleich eine eindrucksvolle Lehrstunde, wie sich Kinder bisweilen auch ohne Spielkonsole und Touchscreen bestens unterhalten lassen?
(DAZ, 25.02.13)