My Fair Lady

Musical von Frederick Loewe

nach Bernard Shaws „Pygmalion“ und dem Film von Gabriel Pascal, Deutsch von Robert Gilbert

Erst war es nur eine Wette: Da die Stellung des Menschen fast ausschließlich von seiner Sprache abhänge, traut sich der berühmte Sprachwissenschaftler Prof. Higgins zu, das Blumenmädchen Eliza in eine vornehme Dame zu verwandeln. Dann jedoch gewinnt die Geschichte an Eigendynamik. Die selbstbewusst gewordene Eliza behauptet auch Higgins gegenüber ihre Selbstständigkeit und womöglich entwickelt der nüchterne Professor sogar Gefühle für „sein Geschöpf“.

„My Fair Lady“, seit der Uraufführung 1956 in New York praktisch ununterbrochen erfolgreich, verdankt seine Popularität sicher zunächst der Musik. Melodien wie „Es grünt so grün“, „Ich hätt' getanzt heut Nacht“ oder „Weil ich weiß, in der Straße wohnst Du“ sind zu Evergreens geworden. Die zu Grunde liegende Komödie von Shaw sorgt aber auch dafür, dass die Geschichte keinen Staub angesetzt hat: Einerseits brillante und spannende Unterhaltung, andererseits aktuelle Themen wie Aufstieg durch Bildung, „Eliten“-Diskussion und das Aufeinanderprallen starker Charaktere.

Im Spielplan seit 22.09.2012

Marcus Sandmann (Freddy Eynsford-Hill)
Ines Kramer (Mrs. Pearce)

Solisten aus dem Opernchor:
Stefan Burmester (3. Cockney; Zoltan Karpathy) | Mark Schreck (2. Cockney; Lord Boxington) | Sang Tea Lee (1. Cockney) | Jaromir Sedlmajer (Kneipenwirt Harry) | Michael Zeiske (Jamie) | Stefanie Goyal (Mrs. Eynsford-Hill) | Urte Jung (Gesellschaftsreporterin) | Diana Chudzinski (Lady Boxington) | Sabine Sowade (Mrs. Higgins' Assistentin) | Antoaneta Tcherniradeva (Doolittles Braut) | Gunter Wagner (Prinz von Transsylvanien) | Birgit Meyer (Elisabeth II.) | Stefanie Metzler (Elisabeth I.) |

Opernchor des Mittelsächsischen Theaters | Statisterie

Mittelsächsische Philharmonie

Sehr liebevoll und dabei genau, in vielen Schattierungen mit feinen Untertönen, wird eine Liebesgeschichte erzählt, an deren Ende weder gesellschaftliche Etiketten, Gesetze der Grammatik und des Ausdrucks, Fußangeln der Rhetorik, Schminke, Schmuck und schöne Kleider, sondern allein das Herz den Menschen adelt. So man denn eines hat. Weil sie eines hat, noch dazu auf dem rechten Fleck und nicht selten auf der Zunge, ist der Weg für die Blumengöre Eliza mit dem künstlichen Jargon der Gasse weniger beschwerlich als für den verklemmten Professor Higgins, bei dem anstelle des Herzschlages ein Apparat der Phonetik rappelt, Menschen Material für Experimente sind und nichts mehr zählen, wenn der Versuch zu Ende ist. So wollte es Shaw, das Musical lässt den Ausgang offen, Pöckel gibt Higgins und Eliza eine Chance, wie einst Ovid, auf den der unverwüstlich zeitlose Theaterstoff zurückgeht. (DNN 24.09.2012)