Misery

Thriller von Simon Moore nach dem Roman von Stephen King

Der erfolgreiche Romanautor Paul Sheldon hat gerade seine Bestseller-Reihe „Misery“ zu Ende gebracht, als er auf dem Rückweg nach New York von der verschneiten Straße abkommt und einen Abhang herunterstürzt. Aus dem Koma erwacht, findet er sich in dem Haus der examinierten Krankenschwester Annie Wilkes wieder, die ihn mit Schmerzmitteln versorgt und sich zudem als sein größter Fan entpuppt. Als sie erfährt, dass Paul die Titelheldin Misery Chastain hat sterben lassen, verblasst die anfängliche Hilfsbereitschaft und wird zum beängstigenden Psycho-Spiel: Die Telefonleitungen werden gekappt, alle Suchaktionen vereitelt und Paul findet sich, geschwächt und tablettenabhängig, einem ungleichen Kampf ausgesetzt, bei dem seine einzige Hoffnung darin besteht, Annies Forderung nach der Rückkehr der Titelheldin zu befriedigen. Zuerst höchst subtil, dann immer offener lebt Annie ihre Bosheiten aus – sehr zum Schaden Pauls, der in einer ausweglosen Lage zu stecken scheint. Wie kein anderer schafft es der Bestsellerautor Stephen King, menschliche Urängste in großartige Unterhaltungsliteratur zu verwandeln und dabei immer auf dem schmalen Grat zwischen Horror, Psychodrama und Ironie zu balancieren. Die aufgeladene Atmosphäre zwischen Paul Sheldon und Annie Wilkes liefert reichlich Futter für einen bis zum Bersten spannenden Theaterabend.

Ausstattung: Stefan Wolfram

Der Inszenierung des Mittelsächsischen Theaters gelingt das Kunststück, dass wir die eigentlich abwegige Situation als durchaus glaub- und grauenhaft zugleich erleben können. Die Spannung baut nicht nur auf die bizarre Story, sondern wir können hinter dem äußeren Kampf auch zwei so vielschichtige Charaktere entdecken. ... Ein Vergnügen bietet „Misery“ allemal. Auch wenn sich vor unseren Augen Entsetzliches ereignet, wird doch unser Grusel vom Wohlbehagen überspannt. Wie bei jedem guten Thriller: Wir Zuschauer sitzen im Trockenen.
DAZ, 18.11.2014