Der Parasit

Lustspiel von Friedrich Schiller nach Louis-Benoît Picard

Ein neuer Mann bezieht seinen Posten als Minister bei Hofe. Dies bedeutet die Entlassung für La Roche, die als Subalterne unter dessen Vorgänger gedient hat, weil Selicour, der Günstling des neuen Ministers, jeden rigoros beiseite räumt, der seiner eigenen Karriere im Wege stehen könnte. Die Inszenierung thematisiert die Ohnmacht und die alltägliche Macht von Intrigen und Blendertum eines Schnellaufsteigers. Dem gegenüber steht das Plädoyer für Integrität, in der die Gerechtigkeit als strahlender Sieger hervor geht – zumindest auf dem Theater.
Ein Lustspiel von Schiller? Bei dieser Frage kommen selbst Deutschlehrer und Germanisten ins Schwitzen. Auch wenn „Der Parasit oder Die Kunst, sein Glück zu machen“ nicht ganz von Schiller ist, es handelt sich um das von ihm bearbeitete Lustspiel „Médiocre et rampant“ des im nachrevolutionären Frankreich sehr beliebten Komödiendichters Louis-Benoît Picard. Der Herzog von Weimar, Karl-August, hatte sich französische Stücke für sein Hoftheater gewünscht. So übertrug der Dichter 1803 zu seiner Erholung und um der theatralischen Novität willen die Alexandriner Picards in knappe deutsche Prosa. Dabei ist ein Lustspiel entstanden, in dem sich französischer Humor mit Schillers Gespür für soziale und politische Stimmungen verbindet.

Der Intendant des Freiberger Theaters, Ralf-Peter Schulze, … setzt auf das Bloßlegen menschlicher Schwächen. Mit viel Fantasie, Sinn für Zwischentöne und detailliert gearbeiteten Szenen nimmt er Blendertum, Speichelleckerei und Mobbing aufs Korn. Und führt die Schauspieler zu einer geschlossenen Ensembleleistung.

Sächsische Zeitung, 23.09.2014

Mit einem Bein in Schillers Gegenwart, mit dem anderen in unserer. Dieses Spiel in zwei Zeiten funktioniert auf der Döbelner Bühne vorzüglich. Die Akteure sind gekleidet wie 2014 in Berlin-Mitte, ihre Sprache jedoch ist der Anna-Amalia-Bibliothek entlehnt. Hausherr und Regisseur Ralf-Peter Schulze entfaltet ein ungestümes und vergnügliches Spiel, in dem es den Figuren immer ums Ganze geht. Um die politische Karriere oder Pflichterfüllung, um Liebe oder Affaire.

Döbelner Allgemeine Zeitung, 03.11.2014