Der Gast

Komödie von David Pharao

Gérard schreibt Bewerbungen, geht zu Einstellungsgesprächen und wird immer wieder abgelehnt. Langsam schwindet die Hoffnung auf Arbeit und auch das Geld. Doch plötzlich – seine Chance: Ein Unternehmen will ihn nicht nur einstellen, sondern sogar eine Abteilung für ihn einrichten. Der Haken: Das entscheidende Abendessen mit einem der zukünftigen Chefs soll nicht in einem Restaurant stattfi nden, sondern bei Gérard zu Hause! Seine Frau Colette wird mehr als nervös – es regnet durchs Dach, Gérards Modelleisenbahn fährt durch die ganze Wohnung, die Einrichtung ist nicht die Neueste und Kochen ist auch ein Wagnis. Doch dieses Essen ist die letzte Chance, ins bürgerliche Leben zurückzukehren. Ihr Nachbar Alexandre, der gerade wegen des Wasserschadens vorbeikommt und auch noch Imageberater ist, hilft aus. Er erfindet für das Paar eine neue Identität: gestaltet in Windeseile ihre Wohnung um, geht einkaufen und gibt dem Kandidaten ein temporeiches Coaching in gehobener Lebensart. Und dann kommt er, der lang erwartete Gast…

David Pharaos sozialkritische Komödie "Der Gast" gehört vielleicht zu den besten Theatertexten der Gegenwartsliteratur und wurde zu Recht mehrfach ausgezeichnet. Er erzählt von Gérard und Colette, einem Ehepaar, das gerade an der jahrelangen Arbeitslosigkeit zu verzweifeln beginnt. Die Eröffnungsszene übersetzt das Ausgeliefertsein, die bedrohliche, unverständliche Situation, an der man aus eigener Kraft kaum etwas zu ändern vermag, in ein eindringliches Bild: Colette und ihr Nachbar Alexandre kämpfen mit kleinen Kochtöpfen und großem Wischeimer gegen das Wasser, das heftig durch die Decke in die Wohnung dringt. Erklärungen werden gesucht, Vorschläge in die Tat umgesetzt, doch das Wasser dringt weiter ungehindert ein. Regisseur Frank Voigtmann zeigt den ständigen Wechsel der Gefäße gleichsam als eine Endlosschleife, ähnlich einem stumm-grotesken Tanz, der sich um die Wasserstelle dreht. Und diese Wasserstelle ist hier der Ausdruck höchster Not und Gefahr, die wohlmöglich gebannt werden kann. Denn Gérard kommt von einem seiner zahllosen Vorstellungsgespräche mit einer scheinbar guten Nachricht: Er ist im Rennen um einen Arbeitsplatz. Na gut, der wäre dann in Indonesien, aber immerhin. Nur einen Haken hat die Sache, und es ist nicht Gérard, der ihn bemerkt. Der oberste Chef, also der, der im siebenten Stock sitzt, kommt am nächsten Abend zum Essen. (...) David Pharaos preisgekrönten "Gast" auf der Bühne zu sehen und Michael Bergers feines Spiel dazu, das ist ein guter Grund für jede Menge Applaus. (Freie Presse, 14.04.2014)